600 Baujahr 1978

Mein TRAUM

Mein Geburtsjahr ist 1950 - 1968 habe ich meinen Führerschein gemacht, nachdem ich erst einige Jahre PUCH-Moped gefahren war. Von dem Moment an träumte ich schon vom Kauf eines eigenen Autos. Irgendwie ist es selbstverständlich, dass meine Interessen jetzt auf Fahrzeugen aus den späten sechziger / frühen siebziger Jahre liegen.

Das erklärt auch, dass 1980 die erste Wahl eines Klassikers für mich eine "Pagode" war. Während einer Suchzeit von bewstimmt drei Jahren fand ich ein gutes Exemplar in der Mitte von Holland. Da stand die Pagode neben einem schwarzen JAGUAR XK 150 Roadster mit Bordeaux-rotem Leder, der einmal dem bekannten Filmstar "Steve McQueen" gehört hatte. Dies war ebenfalls ein sehr schönes Model, aber wegen meiner kleinen Statur weniger passend für mich.

10 Jahre nach der Geburt meiner Tochter 1989, kennt die Pagode aber inzwischen auch eine gewisse Enge. Es ist eben ein echter Zweisitzer, wo zwar durchaus ein bisschen Raum hinten vorhanden ist, aber selbst für meine Tochter einfach unzureichend.

Deshalb galt mein Interesse einem größeren Fahrzeug. Da ich ein begeisterter Offenfahrer bin, suchte ich einige Zeit nach einen 280 SE 3.5 Cabrio. Ein besonders schönes Model, das außerdem Raum bietet für 4 Personen. Dieses Model ist aber nicht leicht zu finden, besonders die guten Exemplare sind rar.
Außerdem passen nicht alle Farben zu meinem Geschmack und das erfordert eine lange Suche. Meine Suche wurde weiter vorangetrieben, bis sich nach einiger Zeit eine Alternativ auftat...

In der Clubzeitschrift "ZilverSter" entdeckte ich in der Ausgabe von Juni 1997 eine Anzeige, die gleich meine Aufmerksamkeit erregte:

Mercedes-Benz 600 zu verkaufen !

Unter einem Foto vom Fahrzeug mit dem Kenzeichen 70-UE-83 stand der folgenden Text: Bei MB-Händler in Roosendaal hat ein Kunde seinen Mercedes-Benz 600 Bj. 1977 angeboten. Wegen dem unwahrscheinlich niedrigen Kilometerstand von nur 22.000 Km und dem ausgezeichneten Zustand dieses "Palast auf Rädern", war es für Clubmitglieder wichtig zu wissen, dass der original Niederländische Wagen verkauft wurde. Man suchte einen neuen Eigentümer für den 600 in den Niederlanden.

Nach langem Überlegen habe ich nach einigen Tagen dann angerufen und einen Besichtigungstermin ausgemacht.

Als wir ankamen, stand der 600 frisch gewaschen vorne im Ausstellungsraum. Es ist ein eindrucksvolles silberfarbenes Auto!
Der Wagen hatte dazu blendenden Chrom. Man versicherte mir, dass alles am Auto in Ordnung sei. Während der Besichtigung fiel schon gleich auf, dass dieser Wagen sich in einen wirklich vorzüglichen Zustand befand.
Selbst die Reifen waren noch original und wie neu. Dazu hatte das Auto eine Trennscheibe und eine gekühlte Getränkebox.
Außer einigen sehr kleinen Gebrauchsspuren war das Auto in "showroom-condition".
Auch waren Befestigungspunkte für Standartenhalter vorhanden, was auf eine gute Herkunft hindeutete.

Der Preis war aber auch recht hoch, aber durch den fast ungenutzten Zustand eigentlich doch angemessen.
Da musste ich einige Tage Bedenkzeit haben. Da fing mein Dilemma an...
Einen stolzen Preis zahlen für das Unikum oder weiter suchen und auf eine andere Alternative warten?
Während meines Urlaubs befasste ich mich näher mit diesem Autotyp und entdeckte, dass er nur 2677 mal produziert wurde inklusive der Pullmans und Landaulets.
Die Produktion fing 1963 an, parallel zur Fertigung der Pagode. Er wurde bis Juni 1981 in ca. 11 Wochen fabriziert.
Bei den Überlegungen spielte auch mit, ob ich die Trennscheibe als ein willkommenes Extra sehen musste, oder als ein Nachteil, weil dieses Extra einige andere Nachteile mitbringt. So haben die vorderen Sitze bei einer Trennscheibe keine hydraulische Bedienung. Stattdessen wird die Trennscheibe hydraulisch bedient. Außerdem sind die Sitze kaum verstellbar wegen Platzmangels. Da ich aber nicht so groß bin, dachte ich, dass ich dadurch keinen wesentlichen Nachteil habe.
Die Standardausführung hat ein Gewicht von ca. 2450 kg. Alle Modelle haben Luftfederung.

Je mehr ich studierte, desto größer wurde mein Interesse an diesem Fahrzeug.

Am Ende meines Urlaubs rief ich nochmals bei dem Händler an, um ein neues Angebot zu machen, welches mir gerade noch angemessen erschien.
Dieses Gebot sollte aber oberhalb eines schon ausgesprochenen Gebots eines Händlers aus dem Ausland liegen.

Nach Rücksprache mit meiner Frau, die dieses Auto noch nicht mal gesehen hatte, wurde ein höheres Gebot abgegeben. Der Verkauf geschah in Auftrag, weshalb erst der Eigentümer gefragt werden musste. Das Gebot traf das Einverständnis.
Also wurde gleich ein Termin vereinbart.

Der Ankauf geschah am 6 August 1997 und der Wagen wurde entgegengenommen. Dieses Auto kam aus ein Nachlass. Einer der Erben teilte mit, dass sein Vater dieses Auto ersteigert hatte.

Nachdem das Kenzeichen übernommen war, konnte die Heimreise anfangen.
Der Wagen war am 30-1-78 in den Niederlanden zugelassen worden.
Während der Heimfahrt testete meine Tochter und ihre Nichte alle im Auto befindlichen Knöpfe, das Radio und den gesonderten Kassettenspieler im Fond.
Unterwegs wurde die 22.000 Km-Marke passiert. Der 8-Zylinder hatte deutliche Nachwehen vom langen Stehen. Je weiter wir fuhren, desto besser lief er.

Zu Hause wurde das "Prunkstück" gleich meine Frau gezeigt.

Die Papiere zeigten, dass der erste Eigner der Direktor der Möbelfabrik "Oisterwijk" war, der das Auto selber bei MB abgeholt hatte.
Der Wagen stand in seinem Privat-Museum in Oisterwijk neben einigen anderen Kostbarkeiten. So hatte er auch einen grünen Ferrari von Prinz Bernhard in seinem Museum stehen.
Die Firma ging aber pleite, so dass die komplette Sammlung versteigert werden musste. Der vorhergehende Eigner hatte der Wagen auf dieser Ersteigerung erworben. Außerdem waren alle Kundendienste im Scheckheft vermerkt und so konnte ich eine komplette Rekonstruktion der Historie vornehmen.

300-1000 km-Wartung bei MB Sindelfingen
3/4/78 7500 km-Wartung bei Km-Stand 4614
18/9/80 15000 km-Wartung bei Km-Stand 14857
25/8/83 Öl gewechselt bei km-Stand 16656
10/9/84 Öl und Bremsflüssigkeit gewechselt bei Km-Stand 16935

Danach wurde das Auto versteigert am: 19/10/93

28/10/93 22500 km-Wartung: Öl, Brems- und Kühlflüssigkeit gewechselt bei Km-Stand 21246
06-08-97 Ankauf aus Erbnachlass.

Bemerkenswert ist die im Auto befindliche Ersteigerungsbroschüre mit allen versteigerten Fahrzeuge, weil darin vermerkt wurde, nach welchen Geboten ersteigert wurde.
Im Kofferraum befand sich auch eine CHAUFFEURS-Kappe.


Die Innenausstattung besteht aus anthrazitfarbener Pullman-Ausstattung, die fast keine Gebrauchsspuren aufweist.


Einige Ausstattungscodes auf der "Datenkarte"

Mercedes-Benz 600

7 Lacknummer 735 (Astral-Silber metallic)
8 701 Wegfall Teile Export Belgien
40 1 Einzelsitze
41 2 Schiebedach im Fond hydraulisch
43 7 Sicherheitsgurte hinten
58 0 Aircondition / Tempmatic
59 7 Wärmedämmendes Glas
63 1 Verbandskasten
68 2 Feuerlöscher

214 Trennwand
250 Becker Grand Prix Stereo LKMU mit Fernbedienung
290 Reisekofferset 6 Stück

947 Standartenhalter und -Stangen links
993 Spezial Ausführung wie Auftrag

Einige technische Kennzahlen MB 600
V8-Motor Typ M-100 Bohrung 100x95 mm 6330 cc
250 PS / 4000 U/min 51 mkg bei 2800 U/min
Kompression 1 : 9,0
23 Liter Kuehlwasser
6 liter Oel
Batterie 12 Volt / 88 Ah
2 Wechselstromlichtmaschinen 490 Watt
Sperrdifferential
Hydraulische Kupplung mit 4-gang-Planeten-Getriebe
Scheibenbremsen vorne 291 mm 2 Zangen pro Rad
hinten 294,5 mm

L x B x H 5540 x 1950 x 1500 mm
Felgen 61/2 J x 15 H Reifen 9.00 H 15 Supersport (6PR)
Wendekreis 12,7 m
Wagengewicht 2460 kg
Höchstgeschwindigkeit 207 km/h
0-100 km 10 Sek.
Verbrauch 24 Liter Super / 100 km
Benzintank 112 Liter

Inzwischen entdeckte ich noch einige Besonderheiten über meinen 600-er:

6/12/86 Inserat in Auto Motor und Sport Seite 146
14/2/87 Inserat in Auto Motor und Sport 4, Seite 130
28-3-87 Inserat in Auto Motor und Sport 7, Seite 172 Mercedes 600 Limousine neu (nur 18000 Km) im Auftrag gebaut, Astral-Met.-Lack, Trennwand, Bar mit indirekt beleuchteten Tischen, Aircondition mit Getränkekühlung, Wechselsprechanlage für Chauffeur, hydraulisches Schiebedach im Passagierraum, Gardinen im ganzen Passagierraum.

19/10/93 Liquidations-Versteigerung der Privat Sammlung im Automuseum Oisterwijk.

6/8/97 Mein Ankauf von den Erben.
Im Kofferraum befinden sich auch die orginalen Boecke zum Aufbocken und die Notlaufpuffer.
Die Rücksitzbank ist mit Hilfe von Öldruck verstellbar.
Vom Passagierbereich im Fond aus ist das vorne montierte Becker-Radio regelbar. Dazu ist ein gesonderten Kassettenspieler montiert.
Das 6-teilige Kofferset van Daimler-Benz ist jedoch beim Ankauf 1997 leider nicht mehr dabei gewesen.
Die Standartenhalter werden in einer (Kunst?)Leder Mappe aufbewahrt.
Der Kofferdeckel öffnet und schließt mit Öldruck beim Zudrücken oder Herausziehen des entsprechenden Knopfes.
Dabei ist auch ein Reparaturset für undichte Ölleitungen.
Die Bedienungsanleitung muß gründlich studiert werden, bevor man weiß, wozu alle Knöpfe vorhanden sind.
Auch bemerkenswert ist, dass der 600-er mit vom Fahrersitz aus verstellbarer Stoßdämpfern ausgestattet ist.
Das Lenkrad ist axial verstellbar und im Armaturenbrett ist eine Aussentemperaturanzeige montiert.
Die Handbremse wird durch Einlegen eines Fahrgangs automatisch entriegelt.

Erfahrungsaustausch / Kommentare gerne per mail an Paul

Letztes Update dieser Seite: 06.04.2003
(C) HR