450 SEL 6,9
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Wie alles begann |
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Seit langen durchlebte ich
mehr oder minder schwere Zeiten des Verlangens nach einem altem Mercedes.
Aber welcher sollte es sein - groß, klein, schnell, offen, äh mhh ja? Zu
allen persönlichen Anlässen ließ ich mir Bücher schenken, in denen verschiedene
Modelle genauer unter die Lupe genommen wurden. Ja, da war dann der Wunsch
nach einer Pagode (offen), den ich leider wegen der hohen Einstandskosten
nicht realisiert habe.
Jetzt, einige Zeit später, sollte es ein sechs dreier sein (groß und schnell),
aber der mit der Luftfederung und den teuren Luftbälgen, die alle tausend
Kilometer vom Schwitzwasser befreit werden sollte. Oje, das ist vielleicht
eine Nummer zu groß für mich.
Aber da war doch noch der größte je gebaute Nachkriegsmotor der Welt. Der
450 SEL 6,9. Genau - der soll es sein. |
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Wo findet man Sechsneuner? Bei einer
Autobörse im Internet, bei einem Händler im Ruhrgebiet. Da ist immer etwas
zu finden. Aber unter 7500 Euro war da nichts zu machen und dann standen
die Autos schon immer sehr lange.
Ein Internet Auktionshaus hatte auch immer etwas vorrätig, teilweise auch
in Amerika. Allerdings waren dort doch die Motoren gedrosselt worden. Also
aufpassen! Ich wollte ja keinen lahmen Löwen.
Und Anfang Mai 2004 stand er da, um die 2000 Dollar mit Standheizung und
vier mal Sitzheizung und Standartenhalter (siehe Pfeil) und recht günstig.
Also Luft geholt und nachgedacht. Die Bank angerufen, den Verkäufer über
das Auto ausgefragt, Verschiffungsfirma gesucht und mit der Familie über
mein Verlangen gesprochen. Oder habe ich doch nur Bescheid gesagt? Das Verlangen
wurde größer als die Vernunft. Ich habe auch schon von einem "HABEN-WOLLEN-Virus"
gehört - ich hatte ihn und wurde immer kränker. |
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Nun gibt es kein zurück |
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In der Nacht zum 25. Mai 2004 war es dann so weit. Es
war eine der unzähligen schlaflosen Nächte, die ich wach lag. Der Preis
für erwähntes Auto aus Chippewa Falls WI lag jetzt bei 4000 Dollar und
der Kurs war günstig (um die 3000 Euro). Ja oder Nein, Schwarz oder Weiß
- was mache ich nun? Egal ich biete noch 50 Dollar mehr und nichts mehr
und "drei zwei eins" -das Auto war meins.
Am Tag danach:
Der Verschiffungsfirma signalisiert, dass meine ständigen Anfragen nun
in einem Auftrag münden und eine entfernte Tante in Florida überzeugt,
mal schnell 4050 Dollar an jemanden zu überwiesen, den wir alle nicht
kannten. (lief alles gut)
Am 10. September war es dann soweit - der SEL kam in Berlin an.
Aber was war das? Das war so nicht gekauft.
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In meiner Aufregung, die eher selten
ist und mich in diesem Fall noch einiges an Lehrgeld kostete, habe ich auf
dem Transportschein nicht genau die ersichtlichen Schäden notiert, so dass
die Kosten leider eine andere Dimension als erwartet annahmen.
Eine geflickte Hydraulik, eine gerissene Ölleitung und es spritzte nur so
das ÖL. Der Wagen klang wie ein Flugzeug - Auspuff abgerissen und der Krümmer
ist auch gerissen.
Nun erwachte ich aus meinem Traum - konnte aber von der Transportfirma nichts
erstattet bekommen. Schade eigentlich. Aber der Stern und auch das 6,9 Logo
waren noch dran.
JA wer das eine will, muss das andere mögen oder halt ganz genau aufpassen.
Denn es geht noch weiter…
Entweder habe ich dem Verkäufer die falschen Fragen gestellt oder er hat
mir die falschen Antworten gegeben. Eine kleine Stelle an der Fahrertür
sollte die einzige rostige Stelle sein und Öl nur nach längerem Stehen austreten.
Ich sah überall Rost und eine Öllache unter dem Wagen sofort nach dem er
abgeladen war. |
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Was dann geschah |
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So, vielleicht sollte ich noch erwähnen,
dass ich Koch bin und durchaus in der Lage bin handwerkliches Geschick zu
entfalten, aber es dauert halt länger. Also, ran an die Hydraulik! Aber
der Wagen stand ganz unten, eingerastet und 2 t heben sich nicht so schnell
hoch.
Die defekte Leitung lokalisiert und ausgewechselt (war nicht einfach). Ich
habe gleich 3 Leitungen erneuert und die waren je 5 Meter lang. Aber nach
einer Weile pumpte er sich knarrend hoch und der Sonntag war gerettet (19
Uhr).
Den Krümmer und den Auspuff habe ich schweißen lassen, ÖL und Bremsflüssigkeit
gewechselt und als er dann auf einer Bühne stand konnte ich das gesamte
Ausmaß meiner Expedition erkennen. Da war viel mehr und überall Rost, die
Schweller und an der hinteren Radaufhängung sollte geschweißt werden. Ich
erneuerte vor dem Winter noch alles: Gelenke an den Dämpfern und gleichzeitig
tauschte ich die hinteren aus und habe gleich ein paar neue Manschetten
mit angebracht.
Jetzt wollte ich mich an die Standheizung machen
und bastele gerade daran herum.
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Übrigens, die Standarte ist beim Transport auch verloren
gegangen (sehr teuer). Aber zum Glück gibt es ja den Weihnachtsmann und
eine nette Schwägerin, die irgendwie das Grinsen in meinem Gesicht mag,
wie wenn man mit einem Auto schneller beschleunigt als je zuvor (ihr wisst
was ich meine).
Zur Geschichte kann ich nicht viel sagen: Auf
Nachfrage an den Erstbesitzer erhielt ich diese Infos: "Ein Bild,
wie das Auto neu aussah. Wir haben ihn 1976 gekauft und 1980 wieder verkauft
und zwar an einen Fahrschul-Besitzer, der aber inzwischen verstorben ist.
Unseres Wissens hatte er das Fahrzeug auch in der Schweiz zugelassen.
Bei uns war es ein Firmenfahrzeug und wurde fast nur von dem Chauffeur
gefahren. Wir hatten auch das Ecuadorianische Konsulat, deshalb der Stander
für Besuche des Botschafters."
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EX WAGEN DES GENERALKONSULS VON ECUADOR
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30 JAHRER SPÄTER IN AMERICA
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