Das org. DB-Ausstellungsfahrzeug des Pariser Automobilsalons 1970

Abb. 1: Der Wagen im Herbst 2002

0. Ein Vorwort bzw. ein Hilferuf:

Dieser 300 SEL 6.3 stand 1970 auf dem Automobilsalon in Paris. Wer hat ein Bild des Mercedesstandes von damals bzw. wer weiß wo ma so etwas findet? Ich suche ein historisches Foto von der Messe, auf dem der Wagen zu sehen ist.


1. Die Historie:

Dieser 300 SEL 6.3 wird am 17. Sept. 1970 in Stuttgart mit der Fahrgestell- Nr 1200497x gebaut. Der Wagen ist vorgesehen als Ausstellungsfahrzeug für den Pariser Automobilsalon. Bestellt wird er von der Mercedesvertretung Royal Elysees S.A. in Paris. Im Oktober ´70 steht der Wagen auf der populären Messe und wird von der Weltöffentlichkeit bestaunt. Danach wird das Fahrzeug an den Mercedes Händler "Garage Guy Gatignol" in Bagnolet geliefert. Am 20.11.1970 wird er dort von seinem ersten Besitzer übernommen: Der Geschäftsman S. Segimo aus Paris erwirbt den Wagen. Er wird zugelassen mit dem Kennzeichen 15XB75. Am 10. Dezember 1970 bekommt er bei KM Stand 1002 seine erste Inspektion (als Erstzulassung in den franz. Papieren ist der 04.01.1971 angegeben, vielleicht diente der Wagen anfangs noch als Vorführwagen). Von nun an wird der Wagen regelmäßig alle 5.000 Km gewartet von Mercedes Benz Frankreich in Paris bis zum 09.04.1974 bei KM Stand 79.945. Zu diesem Zeitpunkt wird der Wagen aus Paris nach Südfrankreich verkauft. Eine letzte dokumentierte Wartung erfolgt bei KM Stand 96.236 bei Mercedes in Nizza. Seine neue Besitzerin ist Mme Beyhum Fatme Ghandour El Moktar. Er bekommt das Kennzeichen 2686WR06. Gezeichnet von kleineren Blessuren aus dem französischen Stadtverkehr lässt Mme den Wagen 1989 komplett neu lackieren in dunkelblau 904. Der Wagen steht in dieser Phase seines Lebens 50 Wochen im Jahr in der Garage des Wochenendhauses in Cannes und wird noch zu Wochenendausflügen oder Urlaubsfahrten verwendet. Er legt pro Jahr nur noch etwa 1.000 Km zurück. Irgendwann zu dieser Zeit hat sich auch ein Mechaniker an einem verbrannten Ventil des rechten Zylinderkopfs versucht und dabei ein Gewinde im Zylinderkopf zerstört - die Grundlage für 2 weitere folgenschwere Motorschäden. Jetzt nimmt das Schicksal also eine bedeutende Wendung:
Mme vergisst vermutlich, nach dem Öl zu sehen. Entweder ist das Öl leer oder bereits zu diesem Zeitpunkt ist erneut Wasser im Öl. Wir schreiben das Frühjahr 1997. Bei KM Stand 119.000 hat der Wagen einen Lagerschaden. Die mit der Reparatur beauftragte Werkstatt in Cannes, Garage Vasovic Sarl Etoile Californie, Spécialiste Mercedes Benz, zerlegt den Motor, kapituliert dann aber vor dem Reparaturaufwand. Ein Tauschmotor für den Wagen kostet immerhin 80.000.- DM! Der Meister in Cannes ruft den europaweit bekannten Teilehändler Frederic F. an, der den Wagen an Herrn K. in Luxemburg vermittelt für 20.000.- Franc (6.700.-DM). In Luxemburg nun bekommt der Wagen im Juli 1997 eine neue Kurbelwelle (für 4.500.- DM) und der Motorblock wird in einem lustigen Puzzelspiel aus seinen Einzelteilen wieder zusammengesetzt. Die Zylinderköpfe bleiben jedoch unangetastet. Die Gesamtkosten für die Reparatur betragen so "nur" 12.000.- DM. Der Wagen fährt nun wieder, und im März 2002 wird das Fahrzeug mit KM Stand 135.000 zum Verkauf angeboten.

Abb. 2: Der Wagen beim Kauf in Luxemburg im Frühjahr 2002

2. Der Kauf

Die Anzeige "Vollausstattung, rostfrei aus Südfrankreich" macht uns neugierig. Ein Besuch in Luxemburg relativiert das Angebot jedoch: Bei der ersten Besichtigung steht vor uns ein verstaubtes Fahrzeug, mit fantastischer Substanz, aber direkt aus dem Winterschlaf geweckt - dadurch läuft der Wagen nicht sehr schön und ist im Endeffekt einfach zu teuer. Außerdem sind einige Sachen in typisch französischer Manier laienhaft hingebastelt. Also sind wir unverrichteter Dinge wieder abgezogen. Es folgt ein sehr netter Mailwechsel über 2 Monate und unzählige schlaflose Nächte. Das Interesse von pot. Käufern an dem Wagen ist groß, aber nach Luxemburg will keiner fahren. Der Verkäufer wird weicher und weicher. Mitte Mai 2002 sind wir dann erneut nach Lux. gefahren. Diesmal ist der Wagen frisch gewaschen, und an der Probefahrt will der Verkäufer nicht teilnehmen - 2 große Pluspunkte! Dann haben wir vor Ort Kompression und Ventilspiel gemessen, die Nockenwellen inspiziert, mit dem Rangierwagenheber die Achsen kontrolliert. 4 Stunden lang! Der Verkäufer kommt mit jeder Minute, die wir den Wagen untersuchen, dem Wahnsinn einen Schritt näher. Aber zum Schluß wird man sich doch noch einig! Es folgt eine problemlose Fahrt nach Hause, dank EU ohne Zoll oder Kontrollen.

3. Die Folgekosten:

Getauscht werden zunächst Kontakte, Öl, Filter, Kerzen, Reifen, Felgen, Keilriemen und einige Kühlerschläuche. Bei der Fahrt zum VDH-Pfingsttreffen in Ornbau fehlt dann Kühlwasser. Dafür zeigt sich brauner Schleim am Ölmessstab. Die Kopfdichtung denkt man... Der Motor wird also im Sommer 2002 (erneut) komplett zerlegt. Die Zylinderköpfe werden geplant und überholt, die Nockenwellen geschliffen, die Kipphebel erneuert, sämtliche normalerweise schlecht zugänglichen Benzin- und Luftleitungen und Wasserschläuche ersetzt, der Verteiler überholt, die Motorgummilager und die Vorderachsaufhängung getauscht. Wie sich zeigt, waren der Verteiler defekt, die Zündkabel porös, ein Nockenwellenlager kaputt, die Ansaugdichtungen falsch herum montiert - sie ragten in den Kanal hinein. Zusätzlich werden einige Teile + Leitungen neu verchromt. Der Motor soll wieder im original Messe-Outfit erscheinen wie 1970.

Abb. 3: Der Motor zerlegt bzw. wieder komplett

Erst im Nachhinein stellt sich heraus, dass lediglich ein Gewinde des Haltebügels eines Ventildeckels undicht ist - durch das "verdallerte" Gewinde kann Wasser ins Öl gelangen. Eine Pfennigreparatur mit etwas Teflonband hätte genügt!

4. Die Ausstattung:

Der Wagen ist ausgestattet mit Klima, eSSD, ZV, Color mit Grünkeil, 4 eFh, Zusatzfanfare, Velours, gelben Nebelscheinwerfern sowie Alufelgen. Die Datenkarte hat folgenden Inhalt:

40/1 Einzelsitze 41/0 Schiebedach elektrisch
52/5 Reparatur Lack-set 58/0 Klima-Anlage
59/8 Wärmedämmendes Glas, rundum, Bandfilter 60/1 Öl für Hinterachse mit Sperrdiff. in Kanister und Dosen
62/9 Frankreich-Ausführung 64/1 Reifen-Weisswand
66/5 Verpackungsart VE I (Fahrzeug nicht betanken)
997 Standwagen für Ausstellung (Karosserie und Motor ausstellungsmäßig)

Für die Messe 1970 wurde der Motor mit schwarzen Ventildeckeln versehen, die Ansaugbrücke poliert, und viele Leitungen, Halter und Schrauben sind verchromt. Ein Traum!

Abb. 4: Der Innenraum und der Wagen im Herbst 2002 in den Alpen

Aus dem Produktionsauftrag vom 13.07.1970 ergeben sich weitere Details zur 997/992:
· Montage eines Typenschilds vorne und hinten auf Nummerntafelnblenden
· Montage einer Innenbeleuchtung, Polyäthylenüberzüge über die Sitze
· Erhöhte Gummipuffer

5. Fazit:

Das Fahrzeug vermittelt eine riesige Menge sportlichen Fahrspaß. Auch heute noch atemberaubend. Die Beschleunigung ist phantastisch! Der Verbrauch dieses Fahrzeugs liegt je nach Fahrweise zwischen 14 und 23 L/100Km, im Schnitt bei rund 18-19 L. Die Höchstgeschwindigkeit liegt lt. Tacho bei 240 km/h (Drehzahlbegrenzer 5.300 Umin). Die Maschine ist aufgrund der vorgesehenen Verwendung von Hand ausgesucht und zusammengebaut und geht ganz gut.... Beim Anfahren 2 Gummispuren von 10m zu ziehen ist wirklich kein Problem. Das Fahrzeug ist nur minimal geschweißt.

Abb. 5: Die einzigen beiden Stellen die Schweißarbeiten am Blech erforderten!

Heute wird der Wagen etwa 2.000 KM im Jahr nur bei Sonne bewegt.
Er ist unverkäuflich!

Abb. 6: Der 6.3 in Ornbau Pfingsten 2002

Erfahrungsaustausch / Kommentare gerne per mail an 300SEL6.3@web.de

Letztes Update dieser Seite: 09.01.2003
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